Puzzlesteine …

Gerettet hat mir dieses Wochenende Polly Roche 17, Model, die im „Buch zwei“ der SZ (5./6.9.2020, s.11), zur Frage, was denn an diesem Sch…jahr 2020 gut wäre, gemeint hat: „es höre sich weird an, aber sie glaube, gerade fragen sich viele Menschen, ob die Leute in ihrem leben sie wirklich glücklich machen, ….und es wird (nun) smoother gehen, neue Freunde zu finden“.

An diesem Wochenende fand ich einige interessante Puzzlestücke … ich hab sie noch nicht ganz zusammen, aber ich denke, sie weisen auf einiges, was in unserer Gesellschaft problematisch läuft. Als erstes las ich ein interessantes Interview mit Irmhild Saake im Deutschlandfunk  (Kommunikation auf Augenhöhe).  Dabei ging es um die Tendenz, verschiedene Argumente als gleichwertig zu nehmen – unabhängig von ihrem Gehalt um die Gleichwertigkeit der Argumentierenden zu betonen. Also etwa: Ich sag, die Erde iss rund – du sagst, sie iss flach, ich bin okeh – du bist okeh – wird die Wahrheit wohl in der Mitte liegen. Ich begann sofort einen Beitrag zu schreiben, der wurde aber so lang und verquast, dass ich ihn mehrfach überarbeiten musste (und muss) ich habe ihn jetzt als eigenen Text eingestellt (siehe unten). Dann, gestern hörte ich zwei Beiträge auf Br2, zuerst ein Gespräch mit Prof. Dr. Paul Nolte, Kulturwissenschaftler zum Thema: „Umgang mit Anti-Corona-Demos“ dann  ein Gespräch mit Prof. Dr. Norbert Bolz, Medientheoretiker: „Hochstapler – warum wir ihnen auf den Leim gehen“. Darin ging es um die Bereitschaft vieler Menschen, kritiklos, zweifelhaften „Wahrheiten“ von charismatischen Welterklärern zu folgen (find ich leider kein link:(.

Heute las ich einen bestürzenden Artikel/Feature auf t3n: Qanon-Verschwoerungstheorie warum Menschen bizarre Theorien glauben. Es ist abgesehen vom Unterhaltungswert ob der Bizarrität einiger dieser „Theorien“ bestürzend.

Meine vorläufigen Thesen, die in mir schon lange gären und zu denen diese Quellen „Puzzlesteinchen“ liefern sind etwa folgende:

Es gibt einen Teil der Menschen, der bereit ist, ohne von der Realität beleckt zu sein, wirren Verschwörungstheorien oder Welterklärungsmodellen zu folgen, weil sie ihnen die Illusion (?) gibt, der unangenehmen komplexen Realität zu entfliehen – und diese Menschen sind am Realitätsgehalt ihrer Welt gar nicht wirklich interessiert. Für mich ist diese Erkenntnis unbegreifbar – aber anscheinend gibt es Menschen die nicht an der Realität interessiert sind, sondern sich ganz gern selbst belügen – vielleicht, weil an sonsten das Leben so bedrohlich und trist wirkt?

Es gibt Menschen, die gerne Betrügen – Hochstapler – und die eine richtige Lust daran entwickeln. Das muss auch nix schlimmes sein – sie sind oft sehr Unterhaltsam und bereichern unser Leben – so lange wir sie als das sehen, was sie sind. Das können aber auch autoritäre Führungspersonen sein, die bewusst Missbrauch betreiben (vielleicht der Herr Höcke, den amerikanischen Präsidenten halte ich nur für einen eitlen, ungebildeten Narzissten, dessen einziges Streben seinem eigenen Vorteil und Gefallen gilt)

Es gibt in den progressiven „Eliten“ der Gesellschaft, eine Tendenz, wichtige progressive (linke?) Themen – wie Gleichheit – Beseitigung von Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen durch eine immer stärkere Veränderung der Sprache angehen zu wollen. Das ist eigentlich gut (z.B.: das N-Wort) – kann aber dazu führen, dass zum einen – bedingt durch die zunehmend formelhafte Selbstbeschränkung der Sprache – die echten Probleme zugedeckt werden (etwa soziale Ungleichheit oder islamischer Extremismus) zum anderen – eine immer größere Distanz zur Lebenswirklichkeit vieler Menschen entsteht. In der Folge entsteht eine Sprachlosigkeit und Abkoppelung zwischen (linker?) Elite und „normaler“ Bevölkerung und das Gefühl, denen „da droben“ geht es überhaupt nicht mehr um unsere Probleme.

Wenn sich große Teile der Bevölkerung von der Elite und den Institutionen, die sie damit verbinden nicht mehr vertreten und verstanden fühlen, wenden sie sich von dem, was wir als unsere gesellschaftlichen Grundwerte sehen ab – und verhalten sich zunehmend destruktiv.

Wenn eine bestimmte Anzahl von Menschen nun bereitwillig und fleissig irren Welterklärungstheorien folgt (etwa Qanon) bildet sich ein gefährliches Substrat. Und wenn sich größere Teile der Bevölkerung von den Eliten und „deren“ Werten abwenden entsteht ein hochproblematisches Gemisch, welches dazu führen kann, dass autoritäre Tendenzen sich Bahn brechen und destruktive Kräfte ihr Publikum finden.

Ich denke, so kann man auch das Neben- und Ineinander von Corona-Protestlingen, Rechtsradikalen und Qanon-Irren (ja, hier passt dieses harte Wort!) mit-erklären.

Puh, das war jetz sehr viel, das ist alles noch sehr roh – ich stelle jetzt auch mal den Text hier ein (auch wenn der selber noch sehr überarbeitungsbedürftig ist, ich denke stellenweise ist er noch nicht klar genug)! Über Gleichheit Gleichwertigkeit und politische Korrektheit

Über Meinungen, Rückmeldungen und Anregungen wäre ich total froh!

Nachtrag: Offensichtlich entsammt Polly Roche den Feuchtgebieten von Charlotte Roche.

Nachtragsthese: Wenn sich dann die gesellschaftlichen Bedingungen geändert haben und eine populistisch-nationale Bewegung oder Machtelite bekommt Einfluss, ändern sich auch die gesellschaftlich „opportunen“ Werte. Das ist dann die Stunde, in der die Perversen und Sadisten hervorkommen, die Hunde von der Kette gehen und im Namen einer Elite diejenigen terrorisieren, die nicht den Vorstellungen dieser Elite entprechen. Und „das Volk“ ist dann ratlos und wusste von nichts und wird Geister nicht mehr los. Ich meine nicht nur denn Nationalsozialismus sondern beobachte das in allen populistisch-ideologischen Machtgebilden (vgl. Jugoslawienkrieg, Islamischer Staat, Bolschewismus). Und deshalb sollten wir es vorher besser wissen.

 

 

 

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